Der Affenindex und seine Bedeutung fürs Klettern

Der Affenindex (Ape-Index) ist das Verhältnis der Armspannweite zur Körpergröße. Es wird oft davon ausgegangen, dass ein positiver und hoher Affenindex günstige Auswirkungen auf die Kletterleistung hat. Das klingt zunächst auch einleuchtend, da eine hohe Armspannweite die Reichweite zum Weitergreifen erhöht und längere Arme sich nicht stark im Körpergewicht niederschlagen.

Was in diesem Zusammenhang aber oft vergessen wird, sind die schlechteren Hebelverhältnisse, um die Arme anzuwinkeln. Das heißt, umso länger die Arme sind, desto mehr Kraft muss aufgewendet werden um diese zu beugen. Für Klimmzüge ist es also generell günstiger, etwas kürzere Arme zu haben.

Die Reichweite beim Klettern hängt auch von der Körpergröße selbst ab. Ein kleiner Kletterer mit hohem Affenindex kann daher eine geringere Reichweite haben als ein großer Kletterer mit kleinerem Affenindex. Diese Überlegung geht nebenbei aber überhaupt nicht auf das Verhältnis Reichweite zu Körpergewicht ein.

Aus logischen Überlegungen heraus, ist der Affenindex im Bezug auf die Kletterleistung schon mal ein zweischneidiges Schwert. Verschiedene kleinere Untersuchungen zeigten zudem, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Affenindex und der Kletterleistung besteht. [1], [2] Zu dynamischen Kletterzügen gibt es eine Untersuchung die zeigt, dass weder der Affenindex noch die Körperhöhe hier einen entscheidenden Einfluss haben. [3]

Derzeit muss also aus biomechanischen Überlegungen und kleineren Untersuchungen davon ausgegangen werden, dass der Affenindex beim Klettern keine große Rolle spielt. Es wird aber sowohl Klettersituationen geben, wo längere Arme mit deren Reichweite von Vorteil sind, als auch Situationen in denen kürzere Arme mit besserern Hebeln günstiger sind.

Die Website 8a.nu sieht bei Adam Ondra sogar seinen negativen Affenindex als einen seiner Erfolgsfaktoren:

Short arms – Adam is 181 cm but he has a negative ape-index that makes it easier for him to bend his arms. [4]

Berechnung

 Zur Berechnung des Affenindex gibt es zwei verschiedenen Ansätze:
  1. Die gebräuchlichere Methode definiert den Affenindex durch Division von Armspannweite durch Körpergröße.
  2. Der Affenindex kann auch durch Subtraktion ermittelt werden, indem von der Armspannweite die Körpergröße abgezogen wird

Bei gleicher Armspannweite zur Körperhöhe ist der Index bei der ersten Methode 1,0 und bei der zweiten Methode 0,0. Die Armspannweite wird als die Strecke zwischen den Endpunkten der Mittelfinger bei seitlich horizontal ausgestreckten Armen und Fingern gemessen.

Durchschnittswerte

Bei Erwachsenen liegt die durchschnittliche Affenindexzahl nah an der neutralen Indexzahl. Das bedeutet, dass die Armspannweite nahezu mit der Körperhöhe übereinstimmt. Nach einer groß angelegten koreanischen Studie [5] mit 10322 Kindern und Jugendlichen, ist die Wachstumsrate der Armspannweite größer als die der Körperhöhe. Das bedeutet, dass kleinere Personen und Kinder in der Regel einen kleineren Affenindex haben. Die Spannweite ist bei kleinen Kindern niemals größer als die Körperhöhe.
Beim Schwimmen von Vorteil: Lange Arme
Beim Schwimmen von Vorteil: Lange Arme

Beispielmaße von Sportlern

  • 1,046: Der Schwimmer Michael Phelps mit einer Körpergröße von 195 cm und einer Armspannweite von 204 cm.
  • 1,055: Der Diskuswerfer Lars Riedel mit einer Körpergröße von 199 cm und einer Armspannweite von 210 cm.
  • 1,083: Der Basketballspieler Misan Nikagbatse mit einer Körpergröße von 192 cm und einer Armspannweite von 208 cm.

Leider konnte ich keine Liste von Top-Kletterern mit deren Affenindex finden.

Kurze Hebel sind beim Gewichtheben gefragt
Kurze Hebel sind beim Gewichtheben gefragt

Andere Sportarten

Bei anderen Sportarten ist die Bedeutung des Affenindex größer. So hat beim Boxen die Reichweite ganz offensichtlich Vorteile. Beim Diskuswurf und Schwimmen sorgen große Armspannweiten für vorteilhafte Hebelverhältnisse. Im Kraftsport, wie beim Bankdrücken, sind wieder eindeutig kurze Arme klar im Vorteil, wenn es darum geht viel Gewicht zu drücken.

Video

Video von target10a auf youtube vom 30.12.2017

Quellen:
[1] http://bjsm.bmj.com/content/37/5/420
[2] http://motionontherocks.blogspot.de/2007/08/affenindex.html
[3] https://web.archive.org/web/20080313123522/http://www.trainingforclimbing.com/html2/research/martin2005.shtml
[4] http://www.8a.nu/?IncPage=http%3A//www.8a.nu/news/AllNews.aspx%3FCountryCode%3DGLOBAL%26NewsId%3D10737
[5] http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/03014469500004112
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7 Gedanken zu „Der Affenindex und seine Bedeutung fürs Klettern

  • 15. November 2015 um 11:51
    Permalink

    Mein Affenindex: 1,065 (Körpergröße von 183 cm und einer Armspannweite von 195 cm)
    Einen einarmigen Klimmzug damit zu schaffen war ein ehrgeizigen 3 Jahres Projekt. Und es war dann auch jeweils nur einer mit links und rechts drin.

    Was habt ihr für einen Index? Oder kennt ihr die Indizes von Top Kletterern?

    Antwort
  • 18. November 2015 um 14:42
    Permalink

    Eine kurze Überlegung von mir zu Armspannweite und Körpergröße: Selbstverständlich ist die relative Kraft (Verhältnis Kraft-Körpergewicht) ein maßgeblicher Parameter für das Klettern, aber was nutzt alle Kraft, wenn ein kleiner Kletterer, oder ein Kletterer mit kurzen Armen den nächsten Griff gar nicht erst erreichen kann und damit eine Schlüsselstelle zum unüberwindbaren Hindernis wird? Dann zählt für den Kletterer der Spruch, so leicht wie möglich und so stark wie nötig nicht mehr, sondern es kommt noch ’so groß wie möglich‘ hinzu. Nach dieser Überlegung müsste die künftige Klettergeneration 70 kg bei einer Körpergröße von 2,00 m mit einer Kraft von 10 einarmigen Klimmzügen haben. Ob er irgendwann so einen Klettertypen gibt? Im Hochsprung gibt es fast so einen Typen (Mutaz Essa Barshim;1,89 m 65 kg), stellt sich nur die Frage ob der jemals 10 Einarmige schaffen könnte. Gruß Harald

    Antwort
    • 18. November 2015 um 18:16
      Permalink

      So wie es derzeit aussieht sind solche Stellen in der Regel mit Dynamik zu lösen. Es ist häufig so, dass es besser ist, mit etwas Dynamik Stellen zu meistern, auch wenn diese statisch möglich wären. Das gilt zumindest fürs Bouldern und Sportklettern. Im alpinen Bereich ist dynamisches Klettern etwas schwieriger. Ab und zu gibt es aber sicher Stellen, die mit Körpergröße und Reichweite leichter zu meistern sind, als mit Dynamik. Diese Stellen scheint es aber sehr selten zu geben.

      Ach ja: Das durchschnitts Gewicht der Top 10 Weltcup Kletterer war laut Daten 8a.nu mal bei 56 Kg. Weiß aber nicht mehr in welchem Jahr das war.

      Antwort
      • 18. November 2015 um 18:41
        Permalink

        Adam Ondra hat 68 kg bei einer Körpergröße von 185 cm und das halte ich für einen guten Wert. Der Durchschnitt der Top 10 liegt derzeit im übrigen bei 59,5 kg und einer Körpergröße von 173,7 cm und das sind nach meiner Meinung keine vielversprechende Werte.

        Du wirst an mich denken, die künftigen weltklasse Kletterer sind Typen wie Ondra oder noch größer. Chris Sharma (184) und Adam Ondra (185) sind in der Liste gar nicht dabei. Typen wie Dean Potter (196) sind halt schon gestorben.

        Früher (zu Güllich-Zeiten) war der BMI für Kletterer mit 20 als ideal errechnet worden. Er wird wie folgt errechnet:
        BMI = Körpergewicht : (Körpergröße in m)² z.B: Ondra
        68 kg : (1,85 x 1,85) = 19,868 also ideal.

        Gruß Harald

        Antwort
  • 18. November 2015 um 18:48
    Permalink

    Das sind die Durchschnittswerte der Top10 bei 8a.nu Ranking. Die 56 Kg waren wirklich nur Weltcup Kletterer. ich weiß jetzt aber auch nicht mehr genau in welchem Jahr das war.

    Das der Ondra so groß ist, kann ich fast gar nicht glauben! Ich hab den in Arco vor 5 Jahren auch schon live gesehen. Aber vielleicht ist der seit dem ja noch mal gewachsen. Es gibt aber auch Angaben von im Netz mit 1,80m.

    Ja, wenn die Top-Kletterer wieder größer werden, werd ich an dich denken!

    Antwort
    • 18. November 2015 um 19:00
      Permalink

      O.k. Es gilt aber zu bedenken, dass viele weltklasse Kletterer den Weltcupzirkus ablehnen, aber eine Erstbegehung nach der anderen hinlegen. Ich bleibe dabei: Körpergröße bzw. Reichweite ist ein maßgeblicher Parameter fürs klettern, der mit Dynamik nicht wett zu machen ist. Ein schönes Beispiel findest Du in nachfolgendem Video:

      Antwort

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